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Suhrkamp-Verlag beantragt Schutzschirmverfahren

Der renommierte Suhrkamp-Verlag hat überraschenderweise beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens  gestellt. Dabei wählte die Geschäftsführung um die Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkewicz mit dem sogenannten Schutzschirmverfahren eine besondere Form des Insolvenzverfahrens. Hintergrund ist der seit Jahren schwelende Streit mit dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach, der zunehmend die Handlungsfähigkeit des Suhrkamp-Verlag beeinträchtigte. Wichtigster Streitpunkt ist die Verteilung des Bilanzgewinns des Jahres 2010.

Laut Tanja Postpischil, der Sprecherin des Verlages, ist Suhrkamp „… voll zahlungs- und handlungsfähig“. Verträge mit den Mitarbeitern und Autoren seien nicht betroffen. Das Schutzschirmverfahren führe dazu, dass Zahlungsverpflichtungen des Verlages ausgesetzt werden. Gemeint ist damit eine Forderung in Höhe von 2,2 Mio Euro, die Hans Barlach seit einem Urteil des Landgerichts Frankfurt im März diesen Jahres geltend machen kann. Die sofortige Zahlung der 2,2 Mio Euro und damit zusammenhängende ebenfalls folgende Anteilszahlung an den Mehrheitsgesellschafter „Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung“ würden dem Verlag unnötige Probleme bereiten und die Weiterentwicklung und das Tagesgeschäft empfindlich beeinflussen.

Der Suhrkamp-Verlag wird seit Monaten von einer schweren internen Auseinandersetzung der Gesellschafter erschüttert. Auf der einen Seite hält die „Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung“, vertreten durch die Witwe des einstigen Verlegers Siegfried Unseld, 61 % am Verlag, auf der anderen Seite befinden sich 39 % der Anteile in Besitz der Medienholding AG Winterthur mit Hans Barlach an der Spitze. Dieser erwarb 2006 gegen den Widerstand der Familienstiftung die Anteile der vorherigen Mitgesellschafter. Im Laufe der Jahre eskalierte der Streit um die Ausrichtung und Besetzung der Geschäftsführung des Verlages.

Der Suhrkamp-Verlag wurde 1950 von Peter Suhrkamp gegründet, nach dem Tode Suhrkamps übernahm der 1952 in den Verlag eingestiegene Siegfried Unseld seine Nachfolge. Rasch etablierte sich der Verlag in der deutschsprachigen Literaturszene und kann sich bis heute rühmen, deutschsprachige Literatur im Ausland bekannt gemacht zu haben, wie kein anderer Verlag. Nicht nur deshalb zählt Suhrkamp zu den bekanntesten Verlagen der letzten Jahrzehnte.

Zu den bekanntesten Autoren gehören Theodor W. Adorno, Peter Handke, Ernst Bloch, Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger, Marcel Proust, T.S. Eliot und Samuel Beckett. Die hier erschienen Werke prägten den Diskurs der 68´er, wie auch der darauf folgenden Jahrzehnte.

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